Ursprünglich wollten wir heute über die Vulkanroute laufen, als wir uns El Paso nähern, sehen wir aber, daß dort dichte Bewölkung aufzieht, weshalb wir uns umentscheiden und über Tijarafe Richtung Roque de los Muchachos fahren. Wir suchen uns eine Parkmöglichkeit über den Wolken und ziehen die Wanderschuhe an.
Es weht ein sehr scharfer Wind und an einigen Stellen liegen noch Eiskristalle auf dem Weg
Mehr als einmal muß die Fangleine den Hut retten und bald haben wir den Pico de la cruz erreicht.
Vom Gipfel hat man einen schönen Blick über die Wolken auf Teneriffa
Auf dem Rückweg gibt es traumhafte Blicke in die Caldera…
Da das Wetter momentan etwas unbeständig ist, entscheiden wir spontan anhand der sichtbaren Bewölkung, wo die heutige Wanderung hingehen soll. Da ea am Roque derzeit wolkenlos ist, fällt die Wahl auf den pico de la nieve, wozu wir Richtung Santa Cruz fahren müssen. Leider ist die Strecke zum Observatorium auf halber Höhe als gesperrt deklariert, weshalb wir dort parken und so notgedrungen einen längeren Anstieg in Kauf nehmen müssen. Anfangs geht es noch relativ moderat hoch, aber bald ist die Steigung schon recht beachtlich…
Der Sturm hat die kanarischen Kiefern ziemlich gebeutelt und wir bewundern einmal mehr die Länge der Nadeln…
…die man auch als kanarischen Gamsbart verwenden kann.
Obwohl es weniger als 7km sind bis zum Zielgipfel dauert es aufgrund der Steigung doch 3 Stunden, bis wir den ersten Blick auf Santa Cruz haben
Als wir unseren finalen Rastplatz erreichen, bietet sich unten der Blick auf die Inselhauptstadt und über den Wolken ist Spaniens höchster Berg, der Teide der Nachbarinsel Teneriffa zu sehen.
Obwohl die Wettervorhersage für den Nachmittag Regen in Aussicht stellt, entschließen wir uns spontan, noch einmal den Barranco de la Madera zu bewandern, wozu wir zur Kirche von Las Nieves fahren, die auf der anderen Inselseite oberhalb von Santa Cruz liegt. Bei strahlendem Wetter gehen wir los und wundern uns etwas, daß trotzdem diesmal nicht ein einziger weiterer Wanderer zu sehen ist.
Das kann unter anderem daran liegen, daß die Strecke wegen starker Schäden offiziell gesperrt ist, wie uns bald ein entsprechendes Schild bedeuten will.
Da wir die Strecke schon kennen, entschließen wir uns, sie trotzdem zu wagen, umkehren kann man ja immer noch.
Bald erreichen wir den ersten Felsüberhang, unter dem mittlerweile eine neue Stahlrohrleitung über der historischen Wasserrinne verläuft.
Außer einigen Steinschlag-Abgängen, die auf dem Weg liegen, gibt es bisher keine unlösbaren Probleme, auch wenn der Weg stellenweise schon nicht ganz ungefährlich ist…
…und an einer schrägen Felsplatte nur schwer Halt zu finden ist.
Von hier aus sind bereits die “Fenster” der Tunnel auf der anderen Seite des Barrancos zu sehen, der die Wasserleitung beherbergt.
Endlich haben wir die Wassertunnel erreicht, die streckenweise stockdunkel sind und für gelegentliche Verzierungen am Kopf sorgen können, insofern zahlt sich jetzt ein Lederhut aus!
Aus einem der Fenster kann man auf den Weg hinabschauen, den wir gekommen sind und der aus dieser Perspektive auch nicht wirklich ungefährlicher wirkt.
Im letzten Tunnel ist ein Teil der Decke heruntergekommen, man kann aber drum herum klettern. Trotzdem haben wir uns zu früh gefreut, denn hinter der nächsten Kurve hat ein Felssturz den ohnehin sehr schmalen Weg verschüttet und es sieht fast schon so aus, als wäre der Weg hier zu Ende.
Ein vorsichtiges Probeklettern läßt es uns dann doch wagen, darüber hinweg zu steigen. Im Rückblick wird klar, wie schmal der Weg hier ist und trotz des Gestrüpps geht es hier 800m in die Tiefe.
Nach diesem Hindernis geht es an den Abstieg, aber außer einigen umgestürzten Bäumen, die über- bzw unterklettert werden müssen und ganz sanft einsetzendem Nieselregen gibt es keine weiteren Störungen mehr, bis wir wieder am Parkplatz der Kirche von Las Nieves sind.
Der erwartete Muskelkater ist zwar ausgeblieben, wir machen aber trotzdem unsere übliche Wanderpause und fahren nur nach Los Llanos zum Mercado, um uns mit etwas frischem Obst und Gemüse zu versorgen.
Zurück am Haus fällt mir einmal mehr auf, wie schnell einige Pflanzen hier wachsen. Ganz am Ende unserer Terrasse ist ein schmaler Pflanzstreifen mit einer riesigen Euphorbia Trigona, eigentlich kein Kaktus, sondern ein Wolfsmichgewächs.
Hinter dieser Mauer befindet sich der Pool, dahinter eine Bananenplantage und dahinter wiederum der Startplatz der Paraglider. Vor vier Jahren, als ich nach einem Wanderunfall an die Liege gefesselt war, hatte man diese Euphorbie gerade neu gepflanzt… auf dem damaligen Bild erkennt man sie kaum…
Als man das Gelände terrassiert hat, entstand unter dem Haus eine Freifläche, die in den ersten Jahren ungenutzt blieb, bis man dort vor wenigen Jahren winzige Avocado Setzlinge eingepflanzt hatte. Mittlerweile sind stattliche Bäume daraus geworden, die auch viele Früchte tragen, was man allerdings erst sieht, wenn man etwas näher ran geht, weil sich grün nicht sehr von grün abhebt…
Heute erster Wanderversuch an unserer Standard-Teststrecke, die in Puerto Tazacorte startet. Noch ist an den Fischlokalen nichts los, zwischen denen der Weg nach oben beginnt.
Erwartungsgemäß ist es diesmal besonders schwer und wir stellen den Weltrekord im Pause machen auf. Trotzdem sind wir irgendwann am ersten Aussichtspunkt, von dem man auf den neuen Hafen schauen kann.
Nach gefühlten Ewigkeiten können wir dann auch ins Aridanetal schauen und bemerken, daß Wolken aufziehen.
Wir schaffen es tatsächlich bis oben und werden mit einem Stück Kuchen und einem Orangensaft belohnt. Der Rückweg geht zwar in die Knie, ist aber im Vergleich zum Aufstieg ein Kinderspiel. Nach einem guten Abendessen fahren wir nach Hause und sehen uns beim Sundowner den Sundown an. Was auch sonst?
25.02.2017 Heute ist Karnevalssamstag und da gibts in Los Llanos die traditionelle Polvacera. Ursprünglich hatte das mal mit ein paar kleinen Puderdosen begonnen, inzwischen werden mit großen Gebläsen Unmengen von Talkumpuder in die Menge geblasen… Wir beobachten das ganze in entsprechendem Abstand und aus den Seitenstraßen, man muß diese exzessive Variante schon mögen…
26.02.2017 Heute ist schon wieder letzter Urlaubstag und wir machen als letzte Wanderung die ‘große Schleife’ über den El Time…
Obwohl wir dieses Jahr nicht besonders gut in Form waren, haben wir immerhin sieben Wanderungen geschafft, also jeden zweiten Tag eine, wie wir es uns vorgenommen hatten. Das Wetter war zum wandern gut, nicht zu sonnig, im Schnitt 17-20°. La Palma hat sich in den letzten 25 Jahren sehr verändert, nicht zuletzt weil der Tourismus durch den Wegfall einiger Zielgebiete so extrem angestiegen ist. Trotzdem hat die Insel immer noch was… ob es noch reicht, werden wir nächstes Jahr feststellen, wenn wir noch einmal wiederkommen.
Einer der schönsten noch erhaltenen alten ‘Königswege’ führt von Tazacorte über die Cumbre Nueva nach Santa Cruz. Diese Königswege wurden nach der Eroberung der Inseln mit Mitteln des spanischen Königshauses angelegt, damit die Bauern mit ihren Eseln die Waren zu den Häfen bringen konnten. Startet man an der Kapelle bei der 800 Jahre alten Pino del Virgen, kann man über einen solchen alten Eselsweg in rund zwei Stunden zur Cumbre hochwandern.
Dabei wird man nicht selten von der täglichen Nebelwolke ‘Cascada’ überrascht, die aber auch jederzeit wieder aufreißen kann und dann den Blick ins Tal freigibt.
Als wir dieses mal oben unsere Frühstückspause machen, hat uns die Wolke komplett eingehüllt.
Der Leuchtturm von Puerto Naos ist weithin sichtbar…
…und steht auf einer Lavaplatte, die erst 1949 bei einem Vulkanausbruch entstanden ist. Daß unter dieser Platte große Hohlräume entstanden sind, war bereits bekannt, immerhin rollen hier täglich die Wellen mit oft ziemlicher Heftigkeit an die Küste.
Allerdings hatte man die Festigkeit des neu entstandenen Gesteins wohl überschätzt, als man 1993 den neuen Leuchtturm dort auf ein Betonfundament stellte. Damals konnten wir noch komplett drumherum laufen, inzwischen hat das Meer aber immer mehr Lava abgeknabbert und und eine Bucht erzeugt, die bereits unmittelbr bis an das Turmfundament reicht. Lange wird der doch kaum 25 Jahre junge Turm deshalb dort wohl nicht mehr stehen können.
21.02.2017 Heute ist Erholungstag und entsprechend faulen wir rum…
Auf dem Terrassengeländer hat sich ein junger kanarischer Falke niedergelassen und scheint zu überlegen, ob wir in sein Beuteschema passen…
22.02.2017 Da für heute bedecktes Wetter vorausgesagt ist, beschließen wir spontan, uns das schöne Wetter dann eben oberhalb der Wolken anzuschauen. Der Pico de la Cruz ist der zweithöchste Berg La Palmas, dabei allerdings nur 72m niedriger als der Roque de los Muchachos. Wir parken an der Straße, die zum Observatorium führt und wandern die wenigen Kilometer zum Roque…
…und sind bald tatsächlich ‘über den Wolken’.
Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man einige der Gebäude, die zu dem unter Astronomen weltbekannten Observatorium auf dem Roque de los Muchachos gehören.
Unterhalb der Vulkanroute und oberhalb der Ortschaft San Nicholas gibt es eine einzigartige Lavalandschaft zu sehen, die vom Ausbruch des San Juan 1949 herrührt. Die schweren Regenfälle der vergangenen Wochen haben den Wanderweg praktisch weggespült…
Irgendwann geht es dann nicht mehr weiter, wir müssen zurück und uns mit dem GPS Gerät eine Umgehung suchen, die sich zur bisher anstrengendsten Aktion auswachsen wird.
Als wir wieder auf dem eigentlichen Weg – oder dem, was die Sturzbäche davon übrig gelassen haben – sind, begegnen wir den Arbeitern eines Reparaturtrupps, die sich sicher wundern, wie wir es über den unpassierbaren Weg bis hierher geschafft haben.
Als wir endlich oben sind, endet der Wald abrupt und man kann auf angelegten Wegen das Lavafeld durchqueren.
Die mehrere Meter hohe Lavaschicht ist sehr beeindruckend und man kann verstehen, daß die Bewohner von San Nicholas zum Dank eine Kapelle errichtet haben, weil der Lavastrom ihr Dorf um wenige Meter verfehlt hatte.
Auch der Abstieg hat es in sich…
…und wir sind froh, als der Weg unten endlich wieder ‘normal’ wird.