Der Condor Flieger war relativ neu, insofern hochmodern…mit Bildschirm in jeder dritten Reihe. Das waren die positiven Punkte.
Das sogenannte ‘Essen’ – aufgrund der frühen Flugzeit angeblich ein Frühstück – bestand aus einem Haufen Plastikbehältern und einer Tüte Plastikbesteck, ein Paniermehl-Formstück mit dem Projektnamen ‘Brötchen’, 3 Streifen Brotauflage, die anhand der Farbe nicht eindeutig als Käse oder Wurst klassifiziert werden konnten, geschmacklich allerdings auch nicht, da ein Streifen davon wohl mit Salami-Aroma besprüht war, das er auf die anderen abgegeben hatte. Da man mittlerweile auf dem durchschnittlichen economy Sitz aber ein gewisses Mindesttalent für Akrobatik haben sollte, stellt es eine gewisse Herausforderung dar, das sogenannte Brötchen irgendwie mit der steinharten Butter zu beschichten, ohne dabei mindest einem der Sitznachbarn mit dem Ellbogen die Zähne auszuschlagen. Dabei ist man ab einer Körpergröße von mehr als 1,60 bereits in der Fortgeschrittenen-Riege, weil die feinmotorischen Anforderungen mit den eigenen Knien unter dem Kinn noch leicht erhöht sind.
Bei 174 Sitzplätzen reichen 2 Toilettenbereiche in einem Flieger natürlich völlig aus. Daß die Zellen bereits nach einer Stunde zu Naßzellen geworden sind, spielt insofern keine große Rolle, weil dafür nur die jeweils nächstgelegenen zwei Sitzreihen verantwortlich sind, denn die Fluggäste auf den restlichen Reihen haben kaum eine Chance, bis dort vorzudringen. Die Servicewagen passen mittlerweile millimetergenau in den Gang und mindestens einer der Wagen befindet sich eigentlich immer dort…entweder wird Essen serviert, oder es wird abgeräumt, gleiches gilt mit separaten Wagen für Getränke und dann wären da noch die Verkaufswagen für Kosmetik oder Lebensmittel…gerade letztere werden bei dem beschriebenen Essensangebot schon aus purer Verzweiflung gerne in Anspruch genommen.
Was aber auch der Fluggast, dem das Besuchserlebnis der Toiletten nicht vergönnt war, auf jeden Fall zum Trost mitnehmen kann, ist der markante Geruch der Toilettenchemikalie, der während der gesamten Flugzeit omnipräsent ist…
Immerhin fand sich in der Bordzeitung ein Ausblick auf die neue business class, die im Laufe des Jahres fertig werden soll…sieht vom Platzangebot vielversprechend aus…irgendwie verblüffend nach der economy class der 80er Jahre…
So, genug gejammert…immerhin sind wir ja heil angekommen und konnten ‘unser’ Haus reibungslos beziehen. Ein erster Besuch untern in Puerto Naos offenbarte die neue Strandpromenade, an der man über ein Jahr gebaut hat, was wir via webcam übers Jahr verfolgen konnten. Leider setzt sich damit der Trend fort, der überall auf der Insel zu bemerken ist: man versucht anscheinend, Pauschaltourismus-kompatibel zu werden, wobei die kleinen Unzulänglichkeiten, die den Charme der Insel ausgemacht hatten, systematisch abgestellt werden. So gibt es jetzt auf der Promenade keine Café-Kioske mehr – das war wohl irgendwie zu provisorisch – stattdessen ist auf der linken Seite ein futuristisches Gebilde entstanden, das an eine Bus-Haltestelle erinnert und alles sieht furchtbar sauber aus… offenbar sind wir aber nicht die einzigen, denen sich die Intention des Künstlers nicht vollends erschließt, denn dort, wo früher die Leute promenierten, sieht es jetzt relativ leer aus…

Jetzt hilft nur noch eines: wir brauchen ein Abendessen in der Fischkneipe am Meer…die gibt es wenigstens noch und die Thunfischsteaks sind auch nicht kleiner geworden…

Unschlagbar, zwischen hundertfach lackiertem Rohrgestänge, Plastikstühlen und Plastikplanen direkt am Meer…schweren Herzens reißen wir uns dann doch los, um oben auf der Terrasse den Sonnenuntergang zu sehen…der ist gottseidank auch noch der alte…und wir sind angekommen.
